Ellenstraße
Die Ellenstraße
ist die wohl älteste Straße Kempens. Sie führt von der Propsteikirche Richtung Westen bis zur Mühle. In einer alten Karte von 1911 wird sie noch wie die anderen drei Hauptstraßen der Innenstadt als "Provinzialstrasse" geführt, für deren Kosten der Staat Preußen aufkommen musste - vergleichbar mit der heutigen Bundesstraße.[1] 1773 wurden die Straßen Kempens wohl erstmalig gepflastert.[2] Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wahrscheinlich 1903, wurde die Pflasterung erneuert. Da gab es offenbar auch noch das Ellentor.[3] 1979 wurde die Ellenstraße Fußgängerzone.
So findet man im Verwaltungsbericht der Stadt Kempen für die Jahre 1898–1909 folgende Zeilen über die Provinzialstraßen und deren Verbesserungen:
Die 4 die Stadt kreuzenden Straßen, nämlich Ellenstraße, Engerstraße mit Judenstraße, Peterstraße mit Markt und Kuhstraße, sind Provinzialstraßen. In den letzten 10 Jahren wurden sie alle (mit Ausnahme der Marktstraße) neu gepflastert und befinden sie sich jetzt in gutem Zustande. Auch die Fortsetzungen dieser Straßen: Mülhauserstraße, Hülserstraße, Vorsterstraße und Aldekerkerstraße sind Provinzialeigentum und wurden innerhalb des Stadtgebietes wesentlich verbessert, indem sie Kleinpflaster erhielten. Durch die Einlegung von Kanal-, Gas- und Wasserröhren in vorbenannte Straßen sind der Stadt unverhältnismäßig hohe Kosten entstanden, indem sie die Pflaster wieder in dauernd guten Zustand versehen lassen mußte. Es wurde deshalb städtischerseits in Erwägung gezogen, die Provinzialstraßen innerhalb der Stadt in eigene Verwaltung zu übernehmen. Ein an den Herrn Landeshauptmann gerichteter bezüglicher Antrag vom 17. Dezember 1908 wurde aber unterm 19. Januar 1909 mit folgender Begründung abgelehnt: Die Abgabe so kurzer Provinzialstraßenstrecken, wie sie die Stadtgemeinde Kempen in eigene Verwaltung und Unterhaltung übernehmen möchte, liegt nicht im Interesse der Provinzialverwaltung. Auch entbehrt die Stadt des nötigen, eine dauernd gute Instandhaltung der Straßen gewährleistenden technischen Apparates.[4]
Unter Kempen.de findet sich zum Namen der Straße folgende Begriffserklärung:
Verschiedene Ableitungen sind hier möglich: Ellen wird mit dem Dialektausdruck "Grellen" in Verbindung gebracht. Das war "Mergel", den die Bauern zum Düngen der Felder benutzten. Oder es könnte die Stärke "Ellan" des früheren Ellentores (einem der vier Stadttore) damit festgehalten sein. Oder aber - und dies ist die meistvertretene Meinung - es könnte ebenso von der Bezeichnung "Eyl" herrühren, die ein wasserreiches Gelände kennzeichnete. In neuerer Zeit tauchte auch die Definition auf, nach der in der Ellenstraße Handwerker, nämlich insbesondere Schneider, gelebt haben sollen. Es wird vermutet, dass die Ellenstraße die älteste Straße der Stadt ist."[5]
All diese Erklärungen ignorieren aber seltsamerweise die Tatsache, dass die Ellenstraße zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch "Ellestraße" hieß - eindeutig vermerkt auf einer Karte aus dem Jahr 1826, auf der auch die Moosgasse noch "die Mosel" heißt und der Acker "auf'm Acker". Das Ellentor heißt auf der Karte auch "Ellethor".[6] Und auch noch auf einer Karte von 1911 steht noch ursprünglich der Name "Ellestraße". Hier wurde handschriftlich ein "n" hinzugefügt.[7] Und erst recht findet keine Erwähnung, dass die Straße im General-Steuer-Register der Stadt Kempen schon 1661 diesen Namen hatte, und zwar seltsamerweise schon den Namen Ellenstraiß mit dem n - wie auch die Kuhestraiß, die Enger- iund die Peterstraiß.[8]
Der Anteil an historischen Gebäuden ist in der Ellenstraße vergleichsweise hoch. Die nördliche Seite wird bestimmt durch eine fast durchgehend historische Zeile von Wohn- und Geschäftsbauten, die in ihrer Fassade alle die Handschrift des 19. Jh. tragen (Nr. 30 bis 40). Die meisten von ihnen verputzt; wo nicht, sind die heute anzutreffenden Verklinkerungen auf Um- und Neubauten der jüngsten Zeit zurückzuführen. Insbesondere zeichnet sich die Ellenstraße dadurch aus, dass eine Trennung der Fassaden zwischen Erdgeschoss mit Schaufenstereinbau und den darüberliegenden Geschossen hier vermieden worden ist. Auf diese Weise haben die Häuser ihren ganzheitlichen Eindruck bewahrt. Werbeanlagen passen sich dem historischen Charakter der Straße an, wenn sie aus Fassadenbeschriftungen nicht selbstleuchtender Art bzw. aus Aufsteckern in historischen Materialien bestehen.[9]
Einige Häuser der Ellenstraße wurden bei dem Bombenangriff vom 9. Februar 1945 zerstört.
Die Häuser:
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Auszüge aus Adressbüchern:
- aus dem Adressbuch für den Kreis Kempen/Rhein 1898
- aus dem Adressbuch für den Landkreis Kempen-Krefeld 1937
Bauliche Wesensmerkmale der Ellenstraße
Der Anteil an historischen Gebäuden ist in der Ellenstraße vergleichsweise hoch. Die nördliche Seite wird bestimmt durch eine fast durchgehend historische Zeile von Wohn- und Geschäftsbauten, die inihrer Fassade alle die Handschrift des 19. Jh. tragen (Nr. 30 bis 40). Die meisten von ihnen verputzt; wo nicht, sind die heute anzutreffenden Verklinkerungen auf Um- und Neubauten der jüngsten Zeit zurückzuführen. Insbesondere zeichnet sich die Ellenstraße dadurch aus, dass eine Trennung der Fassaden zwischen Erdgeschoss mit Schaufenstereinbau und den darüberliegenden Geschossen hier vermieden worden ist. Auf diese Weise haben die Häuser ihren ganzheitlichen Eindruck bewahrt.
Umgestaltung zur Fußgängerzone 1979
Die Straßengemeinschaft Ellenstraße
Stichpunkte:
Peter Joseph Bister, als Sohn eines Landwirts 1773 an der Ellenstraße geboren[10]
Quellen:
- ↑ vgl. Wikipedia
- ↑ Mooren, Joseph Hubert (Kaplan in Oedt) unter dem Pseudonym Hubert ter Schollen, Über die Entstehung der Stadt Kempen nebst einer kleinen Lokal-Chronik und einigen Nachrichten über merkwürdige Personen und die Umgegend - Historischer Versuch, Köln, 1822, S. 30
- ↑ Kempener Zeitung, 4.1.1903
- ↑ Bürgermeister Lück, Stadt Kempen - Rhein, Verwaltungsbericht für die Jahre 1898–1909, Kempen, 1909, S. 228f.
- ↑ Textquelle: Stadt Kempen
- ↑ Historische Karte auf OpenNRW
- ↑ Karte von 1911 mit der Bezeichnung "Ellestrasse" (OpenNRW)
- ↑ Kempener Kreisblatt, Intelligenzblatt für den Kreis Kempen und dessen Umgebung, Nr. 4, 12.2.1834, S. 2
Der rekonstruierte Originaltext (Kanzleistil von 1661) nach Bearbeitung und Kommentierung durch Gemini:
Der Text in modernem Deutsch… aus dem sogenannten General-Steuer-Register der Stadt Kempen De Anno 1661.
1661 den 27. Januarii [Januar] ist eine dubbele [doppelte] Steuer eingewilligt, nach diesem Zettel und Anschlag zu kollektiren [einzuziehen] laut Raths-Protokolli etc. Dem Concluso [Ratsbeschluss] zufolge habe ich als Secretarius jeder Straße, den 28. Jan. hierauf einen Zettel extrahirt [ausgestellt/ausgezogen] und mitgetheilt.
Dieser ganze Register thut [ergibt] 196 Rthlr. [Reichstaler] 24 Alb. [Albus] 9 Hlr. [Heller]. Nämlich:
Ellenstraiß: 37 Rthlr. 75 Alb.
Kuhstraiß: 65 Rthlr. 68 Alb. 6 Heller.
Engerstraiß: 53 Atblr. 57 Alb. 6 Hlr.
Peterstraiß: 38 Rthlr. 93 Alb. 9 Slr. [Heller].
Summa: 196 Rthlr. 24 Alb. 9 Heller.
Was aber nun hin und wieder in den Straßen propter Deum [um Gottes willen / aus Armut] nachgelassen und sonsten doch ex aequo et bono [nach Billigkeit und gutem Gewissen] moderirt [gemäßigt/reduziert] wird, solch alles muss jeder Straße, worin solches nach Last fällt, abgeben.
Spannende historische Details im Text:… aus dem sogenannten General-Steuer-Register der Stadt Kempen aus dem Jahr 1661.
Am 27. Januar 1661 wurde eine doppelte Steuer beschlossen, die nach dieser Aufstellung und Veranlagung laut Ratsprotokoll einzuziehen ist. Diesem Ratsbeschluss folgend habe ich als Sekretär für jede Straße am 28. Januar einen entsprechenden Auszug erstellt und übermittelt.
Dieses gesamte Register beläuft sich auf 196 Reichstaler, 24 Albus und 9 Heller. Und zwar:
Ellenstraße: 37 Reichstaler, 75 Albus
Kuhstraße: 65 Reichstaler, 68 Albus, 6 Heller
Engerstraße: 53 Reichstaler, 57 Albus, 6 Heller
Peterstraße: 38 Reichstaler, 93 Albus, 9 Heller
Gesamtsumme: 196 Reichstaler, 24 Albus, 9 Heller.
Was nun aber hier und da in den Straßen um Gottes willen (wegen Armut) erlassen oder ansonsten nach Recht und Billigkeit gemindert wird, das muss von dem Betrag der jeweiligen Straße, auf die diese Last fällt, abgezogen werden.
Die vier Viertel/Straßen Kempens: Der Text listet exakt die vier historischen Hauptstraßen auf, die bis heute den alten Stadtkern von Kempen prägen: die Ellenstraße, die Kuhstraße (im OCR-Text als „Rubes fraif“ völlig entstellt), die Engerstraße und die Peterstraße.
Die Währung: Gerechnet wurde in Reichstalern (Rth.), Albus (Alb.) und Hellern (Hlr.). Der Albus war eine im rheinischen Raum damals sehr verbreitete Silbermünze.
Lateinische Floskeln: Die Beamten damals glänzten gerne mit Latein. Propter Deum bedeutete, dass man den Armen die Steuer aus christlicher Nächstenliebe erließ. Ex aequo et bono bedeutete, dass man bei der Schätzung der Steuer fair und nach gesundem Menschenverstand vorging.
- ↑ Satzung der Stadt Kempen für den Denkmalbereich Nr. 1 "Stadtkern Kempen mit umgebenden Wallanlagen" gemäß § 5 Denkmalschutzgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (DSchG) vom 12.April 1990
- ↑ Rheinische Post, Thema: 350 Jahre Thomaeum, 16.9.2009

