Ellenstraße 3

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Ellenstraße 3, 2013

Haus Leenen[Bearbeiten]

Das Haus wurde am 8. November 1983 als Denkmal eingetragen. Die Denkmalbehörde beschreibt es als "2-geschossiges Giebelhaus in 3 Achsen, 1739 erbaut. Fenster mit Blausteingewänden versehen. Datierung im Türkeilstein. Krüppelwalmdach, alte Haustür."

Jakob Hermes schreibt zu dem Haus: "Im Gegensatz zu den großen Repräsentationsbauten Kuhstraße 31, Judenstraße 5 und Peterstraße 24 wirkt das Haus bescheidener und einfacher, obwohl es auch in die gleiche Stilepoche gehört. Mit seinen drei Geschossen erreicht es zwar eine respektable Höhe, hat aber nur drei Fensterachsen und fügt sich in das Bild der Nachbarhäuser harmonisch ein. Der hohe Eingang mit schmuckem Ornament im hohen Oberlicht fällt ins Auge."[1]

Anzeige im Adressbuch der Stadt Kempen von 1898

Zu Ende des 19. Jahrhunderts hatte in dem Haus Heinrich Leenen eine Möbelschreinerei. Im Adressbuch aus dem Jahr 1898 steht Möbelschreinerei, Lager in fertigen Möbeln, Patent-Kinderwagen.[2] Das Adressbuch von 1912 weist dann neben der Fa. Leenen unter dieser Hausnummer noch den Eintrag Uebach, Jak., Crefeld unter der Rubrik Photographien aus. Vermutlich betrieb Jakob Uebach im Anbau des Hauses ein Fotostudio. Neben der Schreinerei von Heinrich Leenen findet man hier nun auch Ehefr.: Weiß-, Putz- und Modewarenhandlung.

Ellenstraße 2 und 3 mit Friseur Wersch (re.)

Heinrich Leenen ist dann auch schon bald gestorben. Karl Hamm, selber Jahrgang 1913, schrieb in seinen Erinnerungen, dass er ihn nicht mehr gekannt habe. Seine Frau aber hatte er als "alte, stets ernste, in Schwarz gekleidete Frau am Fenster des Hauses Ellenstraße 3" in Erinnerung. Im Adressbuch des Kreises Kempen-Krefeld aus dem Jahr 1937 steht dann auch nur noch "Leenen, Elisabeth, Wwe., Damenputz".[3] Nach Unterlagen der Straßengemeinschaft starb sie etwa 1950/51.[4] Heinrich Leenen hatte mit seiner Frau eine Reihe von Töchtern und einen Sohn Willy Leenen. Elisabeth Leenen hat dann später das Geschäft an ihre Töchter Therese und Elisabeth übergeben hat, die beide ebenfalls Putzmacherinnen waren und unverheiratet blieben.

Leenen Lieschen 1962.jpg

Theres war eine gut aussehende Frau, während Lieschen (Bild links), wie Elisabeth stets genannt wurde, sehr klein war. Das Hutgeschäft war führend in Kempen. Von den Geschwistern Leenen übernahm Anfang der sechziger Jahre Frau Hapka das Geschäft, die mit ihrer Familie aus Ostdeutschland kam. Lieschen Leenen wohnte noch bis zu ihrem Tod im September 1968 im elterlichen Haus.

Ihr Bruder Willy Leenen war ein guter Geigenspieler. Abends musizierte er oft mit dem Nachbarn Bernhard Hamm, der ihn am Klavier begleitete. Er heiratete Therese Kann. Die beiden hatten zwei Söhne, Heinrich-Albert und Dieter.[5] Willy Leenen starb wohl schon im Mai 1944.[6] Großmutter Elisabeth Leenen setzte seine Söhne als Erben des Besitzes ein. Theres und Lieschen hatten nur die Nutznießung. Im Februar 1956 starb Therese, im September 1968 dann Leenen, Lieschen.[7]

Ellenstraße 2, Abriss des oberen Stockwerks

Früher bestand der Laden wohl aus beiden Räumen zur Straße, also rechts und links der alten Eingangstüre. In den rechten, etwas höher liegenden Raum führten ein paar Stufen. Das passt dazu, dass das rechte Fenster tatsächlich heute noch etwas höher liegt als das linke (siehe Foto). Im Anbau in der Oelstraße ist bis heute auf halber Geschosshöhe ein Atelier mit großen Glasscheiben. In den fünfziger Jahren war dort das Atelier des Malers und Grafikers Bruno Ortmann (Vater von Rainer Ortmann, der später das Fotogeschäft am Markt hatte). Noch in den siebziger Jahre war dort ein Architekturbüro.[5]

Nach Eintreten des Erbfalles wurde das Haus an die Eheleute Emil und Rosemarie Wersch verkauft, die ab 1970 im linken Teil des Erdgeschosses bis Mitte der Achtziger (stimmt das?) einen Friseursalon betrieben. Bis dahin (stimmt das?) war ihr Salon auf der Peterstraße 23. Der rechte Teil des Hauses wurde fortan bis heute als Wohnraum genutzt. Seit dem frühen Tod ihres Mannes war Rosemarie Wersch alleinige Eigentümerin. Im Geschäftslokal betrieb seit Schließung des Salons Heinz-Josef Jöres unter dem Namen Video-Film-Zentrum bis zum 30.11.2015 eine Videothek. Er wohnt auch im 2. Stock des Hauses. Rosemarie Wersch bewohnte noch bis Anfang 2016 den rechten Teil des Erdgeschosses. Die Wohnung im ersten Stock ist etwa seit 2010 im Wesentlichen unbewohnt.

Im November 2015 hat Frau Wersch das Haus verkauft. Mal sehen, welche Veränderungen anstehen. Der Denkmalschutz lässt vielleicht keine allzu großen Umbauten zu. Jedenfalls hatten die Fenster bis in die siebziger Jahre 16 Scheiben statt heute 12. Und an der Stelle des heutigen einfachen Dachfensters befand sich eine kleine Dachgaube, wie das nebenstehende Bild zeigt, das eigentlich den Abriss des oberen Geschosses der Ellenstraße 2 dokumentiert. Vielleicht wird der rechte Raum im Erdgeschoss zukünftig wieder der Geschäftsfläche zugeschlagen. Möglicherweise bleibt baulich aber auch erst mal alles beim Alten, wenn sich für die bestehende Geschäftsfläche ein geeigneter Mieter findet.


Haus Ellenstraße 3 in der Denkmalliste



Einträge in alten Adressbüchern[Bearbeiten]

1898

  • Leenen, Heinrich, Möbelschreinerei, Lager in fertigen Möbeln, Patent-Kinderwagen

1912

  • Leenen, Heinr., Schreinerei, Ehefrau: Weiß-, Putz- u. Modewaren-Handlung
  • Leenen, Heinr. Ehefrau, unter: Modistinnen
  • Uebach, Jak., Photograph, Crefeld

1925

  • Leenen, Heinr., Schreiner
  • Leenen, Therese, Modistin

1930/31

  • Leenen, Heinrich, Wwe., Geschäftsinhaberini

1937

  • Leenen, Elisabeth, Damenputz



Quellen

  1. Hermes, Jakob, Das alte Kempen, Krefeld, 1982, S. 144f.
  2. Adressbuch für den Kreis Kempen/Rhein, 1898: Leenen, Heinrich, Möbelschreinerei, Lager in fertigen Möbeln, Patent-Kinderwagen
  3. Adressbuch für den Kreis Kempen-Krefeld, 1937: Leenen, Elisabeth, Wwe., Damenputz
  4. Unterlagen der Straßengemeinschaft zwischen 09/50 und 07/51: Ausgabe für Kranz Leenen
  5. 5,0 5,1 Auskunft von Peet Leenen, Enkel von Willy und Therese Leenen
  6. Feldpost von Karl Hamm vom 4.6.44: "Was gibt es Neues in Kempen? Ich hörte, dass Willy Leenen gestorben sei. Was hat ihm gefehlt?"
  7. Aus Unterlagen der Straßengemeinschaft:
    24.2.56 Kranz Sterbefall Leenen (Theres)
    September 1968 Sterbefall Leenen (Lieschen)



Wörtlich aus den Erinnerungen von Karl Hamm:[Bearbeiten]

Ich sehe eine alte, stets ernste, in Schwarz gekleidete Frau am Fenster des Hauses Ellenstraße 3. Sie war die Gattin des Schreinermeisters Leenen, den ich nicht gekannt habe. Sie hatte eine Reihe von Töchtern und einen Sohn Willi Leenen. Therese und Lieschen waren Putzmacherinnen und hatten ein Geschäft für Damenhüte. Beide waren unverheiratet. Theres war eine gut aussehende Frau, während Lieschen sehr klein war.
Das Geschäft war führend in Kempen. Im Anbau in der Ölstraße war oben ein Atelier mit großen Glasscheiben. Nach dem Arbeitsende der Geschwister Leenen übernahm Frau Hapka, die mit ihrer Familie aus Ostdeutschland kam, das Hutgeschäft.
Willi Leenen ist mir als guter Geigenspieler in Erinnerung. Abends musizierte er oft mit dem Nachbarn Bernhard Hamm, der ihn am Klavier begleitete. Willi heiratete und hatte zwei Söhne. Großmutter Leenen setzte sie als Erben des Besitzes ein. Theres und Lieschen hatten nur die Nutznießung. Nach Eintreten des Erbfalles wurde das Haus an den Friseur Wersch verkauft, der darin ein Frisuergeschäft (Damensalon) betrieb. Seit seinem Tod ist seine Frau alleinige Eigentümerin.


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