Markt 15

Aus Kempedia
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Das Haus wurde in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts erbaut und zeigt typisch klassizistische Formen. Der Giebel nimmt die ganze Hausbreite ein, dem schmalen Zuschnitt der Grundstücksbreite angepasst. Das vierachsige Haus erreicht mit seinen drei Geschossen eine beachtliche Höhe und schließt mit einem schön gezeichneten Konsolengesims nach oben ab. Leider hat die architektonische Wirkung der Giebelfront stark gelitten durch eine maßstäbliche Veränderung des hohen Erdgeschosses, als reklamewirksame Aufschriften und Plakate eines Lichtspielhauses angebracht wurden. Nur die beiden Obergeschosse und die dreieckige Dachform verraten noch die alte Schönheit des Hauses. Es wird dem Textilfabrikanten Isaak Kounen zugeschrieben, einer führenden Persönlichkeit unter den Kempener Juden, der sich in der Kommunalpolitik der Stadt durch Mitarbeit in verschiedenen Ausschüssen große Verdienste erworben hat.[1]

Ein Pkw von Arnoldus Janssen mit Kinowerbung im Jahr 1930[2]

Bereits seit März 1919 gibt es hier die „Kempener Lichtspiele“, und über vier Generationen wird dieses traditionelle Haus von der Kinofamilie Janssen im Herzen von Kempen direkt am Buttermarkt betrieben. Der letzte Generationswechsel fand am 3. Januar 2001 statt, als Arnold Janssen die Kinogeschäfte an seinen Sohn Frank übergab.

In der über 107-jährigen Geschichte dieses Kinos fanden mehrere Umbauten statt, zuletzt im September 1994 mit der Neugestaltung der Fassade und dem Kino-Foyer, sowie im Mai 2002 mit dem kompletten Umbau des Kino 1.[3]

Heute betreiben die Filmtheaterbetriebe Frank Janssen Kinos in Geldern, Mönchengladbach und Kempen, bis Ende 2024 auch noch in Kleve. Während der Schließungsphasen im Corona-Lockdown wurde das Haus in Kempen umfangreich saniert und renoviert. Das Kempener Kino ist heute das älteste erhaltene Lichtspielhaus im Kreis Viersen, wenn nicht sogar in ganz Deutschland.[4]

Einen umfangreichen und interessanten Bericht über die Geschichte des Kino-Betriebes findet man im Februar-Heft von Kempen Kompakt im Jahr 2019, S. 6ff.


Einträge in alten Adressbüchern:
Das Kempener Kino. Ansicht 1914 und 2011

Adressbuch Kempen 1898:

  • Leenen Friedrich, Rechtsanwalt

Adressbuch Kempen 1912:

  • Dollen, Wilh., Fabrikarb.
  • Esch, Eduard, Schäftezuschneider
  • Kirchhausen, Gerh., Polierer
  • Seemann, Arend, Steindr.
  • Thißen, Pet., Destillateur

Adressbuch Kempen 1925:

  • Lenders Heinr., Bahnwärter
  • Janßen Arn., Kinobesitzer
  • Fontaine Jos., Fabrikarbeiter

Adressbuch Kempen 1930/31:

  • Janßen Arnold, Kinobesitzer, Lichtspielhaus
  • Lenders Heinrich, Pensionär

Adressbuch Kempen 1937:

  • Berten, Ferdinand, Anstreicher
  • Janssen Arnold, Omnibusvermietung
  • Janßen Raimund, Lichtspielhaus

Adressbuch Kempen 1959:

  • Janßen, Arnold, Kaufmann
  • Kempener ­Lichtspiele, Bes.: Raimund Janssen F. 469

Denkmalliste[1]



Quellen:

  1. Hermes, Jakob, Bürgerhäuser im Stadtbild von Kempen - 2. Teil, in: Heimatbuch des Kreises Viersen, 1983, S. 166ff., hier S. 174
  2. Quelle: Kempen Kompakt, Februar 2019, S. 9
  3. https://www.kempenerlichtspiele.de/unterseite/SS73/Unser_Kino
  4. Westdeutsche Zeitung, 25.01.2023 und Mitteilung von Frank Janssen am 12.6.2026