Waldschlösschen

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Waldschlösschen 7.JPG

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Am Ende des alten Peschweges, etwa dort, wo noch lange der "Sportplatz am Waldschlösschen", also der alte Rhenania-Platz war, befand sich ein beliebtes Ausflugslokal mit Saal und Kegelbahn. Tatsächlich nutzen die alten Kempener das Werthchen, wie es zunächst hieß, und später das Waldschlösschen als sonntägliches Ausflugsziel für die ganze Familie.[1]

Das Lokal finden in alten Zeitschriften mehrfach Erwähnung, so dass heute viele Rückschlüsse über Eigentümern und Betreiber der Gasstätte möglich sind.

Das Grundstück und das Lokal gehörte um 1870 den Eheleuten Josef Sieben, möglicherweise wohnhaft in der heutigen Ellenstraße 30. Jedenfalls erscheint in den damaligen Adressbüchern kein anderer Josef Sieben. Jedenfalls haben Eheleute Sieben dieses Grundstück im Juli 1883 verkauft.

Oeffentlicher Immobilar = Verkauf.

Montag, den 9. Juli cr., Nachmittags 3 Uhr, beim Wirthe W. Sieben am Markte hierselbst, lassen Eheleute Jos. Sieben ihre in unmittelbarer Nähe der Stadt Kempen gelegene, „das Werthchen“ genannte Besitzung, bestehend aus Wohnhaus mit Saalanbau, Kegelbahn und Oeconomiegebäuden, Gartenanlagen, Baum- und Gemüsegarten, Ackerland und Holzung nebst Pächterwohnung, mit einem Gesammtareal von ca. 10 Morgen in Parzellen und auch im Ganzen unter sehr günstigen Zahlungsbedingungen öffentl. versteigern.

Die Besitzung, welche zum größern Theile in Hecken eingeschlossen ist, eignet sich besonders für eine Sommerwirthschaft oder Gärtnerei, wie auch als ländlicher Aufenthalt oder für Fabrikanlagen. Das Wohnhaus wie die sonstigen Gebäulichkeiten befinden sich in sehr gutem Zustande.

Kempen. Schüller, Notar.[2]

Da hieß das Ausflugslokal als noch "das Werthchen". Ein Werth bezeichnet allgemein eine Flussinsel, eine Halbinsel oder ein Stück Land, das zwischen Flussarmen liegt. Oft wurde der Begriff auch für durch Deiche geschütztes, aus Sumpf trockengelegtes und urbar gemachtes Land genutzt. Ein Werthchen ist demnach einfach eine kleine Flussinsel oder ein kleineres, umschlossenes Stück Land am Wasser. Das Wort steckt heute noch in vielen Orts- und Straßennamen (z. B. Kaiserswerth, Nonnenwerth oder der Straßenname Am Werthchen).[3] Auch in Kempen gibt es heute die Straße "Am Werthchen", die zwischen Peschweg und Eichendorffstraße, also einige hundert Meter von dem damaligen Ausflugslokal entfernt verläuft. Es ist also fraglich, ob Straße und Ausflugslokal an ein solches damaliges Werth, wo auch immer es war, angelehnt sind, oder ob die Straße tatsächlich auch an das alte Ausflugslokal erinnert, so wie heute zusätzlich die Straße "Am Waldschlößchen". Bis 1891 hieß das Lokal jedenfalls noch "das Werthchen". Mit der Übernahme durch einen Herrn Roes aus Krefeld bekam es dann den bis heute bekannten Namen "Waldschlösschen". Auf späteren Postkarten findet man auch den Namen "Stadtwaldschlößchen".

Das „Werthchen“ hat in der Person des Herrn Roes aus Crefeld einen neuen Besitzer und damit zugleich auch einen neuen Namen erhalten: „Waldschlößchen“ soll es hinfüro heißen. Die Eröffnung findet am kommenden Sonntag, den 10 c., statt und wird gewiß Manchen zu einem Spaziergange nach dem reizend gelegenen Etablissement veranlassen. Wie wir vernehmen, beabsichtigt der derzeitige Besitzer in Laufe des Sommers häufiger gediegene Konzerte zu veranstalten.[4]

Doch schon bald gab es einen neuen Inhaber. Im Adressbuch von 1901 steht dann: Zum Waldschlösschen , Bes.: Gerhard Hansen , Pension u . Sommerfrische , Peschweg 5

Bilder vom Waldschlösschen:



Quellen:

  1. aus Erzählungen von Karl Hamm, der oft mit seinen Eltern sonntags einen Ausflug zum Waldschlösschen machte
  2. Niederrh. Tageblatt, 9.6.1983
  3. Quelle: KI Gemini
  4. Niederrheinisches Tageblatt, 9.5.1891