Moorenring 1
An der Stelle des heutigen Moorenring 1, der Post, stand früher das alte Knaben-Konvikt bzw. später das Mädchengymnasium.
Im Jahre 1898 wurde das Konvikt für kath. Gymnasiasten vom Bischof von Münster ins Leben gerufen. Es wurde das „zweite Zuhause“ für die auswärtigen Schüler aus der Umgebung, da zu dieser Zeit die Verkehrssituation noch deutlich unterentwickelt war und beim Besuch des hiesigen Gymnasiums eine Unterbringung in Kempen fast unumgänglich war. Der jährliche Pensionspreis betrug laut Aussage im Bürgerbuch von Bürgermeister Lück aus dem Jahre 1909 stattliche 600 Mark.
Zu den größten Leistungen in Mühlens Namen zählt 1899 die Finanzierung dieses bischöflichen Knabenkonvikts, auch „Collegium Thomaeum“ genannt, im Hause Ecke Moorenring/ Thomasstraße. Es stand leer, denn sein Besitzer, der Notar und Justizrat Heinrich Josef Schüller, war 1895 nach Köln gezogen.
Der Mühlen’sche Fonds hat sich damals in Kempen als „ewiger Pott“ einen guten Namen gemacht, kamen seine Mittel doch armen Einwohnern zugute, der Caritas, bedürftigen Schülern und Bauarbeiten an der Kirche.
Das ursprünglich zweigeschossige Bürgerhaus wurde für den Betrieb des Konvikts um ein drittes Geschoss erweitert, 1907 durch Ankauf des östlich neben dem Konvikt gelegenen Grundstückes mit Gebäude um 4 Achsen erweitert und darin ein Konvikt für Schüler der Kempener Seminar-Präparandie (Schüler des Lehrer-Seminars) eingerichtet.
Im Jahre 1909 wurde dann noch aus Spenden eine eigene Kapelle auf dem Gelände Moorenring 1 errichtet, die 1924 von dem in Kempen lebenden Künstler Fritz Wingen ausgemalt wurde.
Im Konvikt lebten nun, beaufsichtigt von einem katholischen Geistlichen, einem Präses, bis zum Auszug des Gymnasiums aus der Burg 1925 zwischen 60 und 70 Schüler. Jeden Morgen zogen sie, ein geistliches Lied auf den Lippen, zum Unterricht in das einstige kurkölnische Kastell.
Nach der Schließung des Internats nahm das Gebäude am 6. September 1932 das Thomas-Lyzeum auf, 1938 von den Nationalsozialisten in „Städtische Oberschule für Mädchen“ umbenannt – Vorläufer des heutigen Luise-von-Duesberg-Gymnasiums.
Nach Schließung des Lyzeums am 8.11.1944 begann der Unterricht wieder am 15.10.1945 im alten Lyzeum an der Vorsterstr. um von dort am 30.10.1948 wieder zum Moorenring 1 zurückzukehren.
Im Dezember 1966 erfolgte dann der Umzug zum Schulneubau, Berliner Allee 42. 1., 2., 3.
Weitere Bilder:
Quellen:
1. WZ 20.4.2029 – Dr. H. Kaiser –
2. Bürgerbuch 1898-1909 von Bürgermeister Lück
3. Jakob Hermes, Kempen in alten Ansichten