Kuhstraße 16

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Anzeige der Fa. Hubbertz im Weihnachtsanzeiger des Niederrheinischen Tageblattes vom 10.12.1927
Carl Hubbertz um 1950, von überstandener Krankheit gezeichnet (Quelle: Kaiser)
Anzeige in der Sonderbeilage der WZ zum Stadtfest 1982

Hier war schon seit dem 19. Jahrhundert der Sitz der Kaufmannsfamilie Hubbertz, zu Beginn noch mit der Hausnummer 190.[1] Gegründet wurde die Kolonialwaren-Großhandlung von Anton Hubbertz im Jahr 1880. Er übergab das Geschäft später an seine ältesten Söhne Carl und Max. Kaiser schreibt, dass Carls Großvater das Unternehmen gegründet habe. Dann müsste allerdings noch ein Anton dazwischen sein. Denn die Eltern von Carl, Max, Peter, Ludwig, Elisabeth, Josef, Theo, Maria und Johannes waren Anton Hubbertz (*6. Sept. 1851 in Kempen, †12. Feb. 1926) und seine Frau Maria, geb. Heyer. Max' Sohn Erwin eröffnete übrigens in Anlehnung an seinen Vater einen der ersten Lebensmittel-Discounter auf der Engerstraße unter dem Namen Diskont Max.

Carl Hubbertz, geb. am 9.9.1897, gest. am 3.7.1989 (Quelle: Totenzettel), war ein stadtbekannter, kritischer und stets besorgter Bürger. Er führte das Geschäft noch etwa bis in die sechziger Jahre, bis er das Ladenlokal an die Familie Geks von der Schulstraße vermietete, die dort ein Rewe-Selbstbedienungsgeschäft führten. Carl wohnte noch weiter mit seiner Frau Gertrud (geb. Teggers, geb. am 2. April 1898, gestorben am 26. Juni 1989 (Quelle: Totenzettel) in den oberen Etagen. Zu der Wohnung kam man über den hinter dem Haus gelegenen Hof, den man durch ein großes Tor vom Möhlenwall aus erreichte.

Zur Kuhstraße 16 und zu Familie Hubbertz siehe auch: Kaiser, Hans, Kindheit am Kuhtor, Aus der Erinnerung von Carl Hubbertz, in: Heimatbuch des Kreises Viersen, ↵Kleve, 2001, S. 159-170

Kaiser beginnt seinen Aufsatz dort mit einer kurzen Übersicht über das Leben von Karl Hubbertz:

Carl Hubbertz, geboren am 9. September 1897, war ein Kempener Original - ein wenig schrullig. Der "königliche Kaufmann", wie er sich stets nur nannte, betrieb mit seinem Bruder Max auf der Kuhstraße 16 eine Lebensmittelgroßbandlung, der eine Kaffeerösterei angegliedert war. Die vom Großvater gegründete Offene Handelsgesellschaf Anton Hubbertz umfasste ein breites Handelsspektrum, in dem selbst Wein enthalten war. - Hubbertz, persönlich ganz bedürfnislos, war sehr sozial eingestellt; in der Nachkriegszeit kleidete er einmal einen Mann, der ohne Winterkleidung aus Wien angereist war, bei Niermann am Markt spontan ein. Entsprechend leer war stets sein Konto. Absoluter Individualist und strenger Vegetarier, vertrat er hohe moralische Maßstäbe, die er - was auf andere oft penetrant wirkte - auch zu leben versuchte. Eigenwillig und eigenartig, machte er auch im "Dritten Reich" aus seiner Abneigung gegen die Nazis kein Hehl. Doch die Kempener Parteigenossen fühlten sich in erster Linie als Kempener - und ließen den angesehenen Mitbürger ungeschoren. - Eine Woche nach dem Tod seiner Frau Gertrud starb Hubbertz am 3. Juli 1989.[1]
Kuhstraße 16 mit Colonialwaren Hubbertz 1937 und das Haus heute
Die damals noch außergewöhnliche Lebenseinstellung kam nicht von ungefähr. Nach einer langen und schweren Krankheit in den Kriegsjahren hatte Carl Hubbertz schon früh die Bedeutung der Ernährung für die Gesundheit erkannt. So hatte er fast immer ein Päckchen Rohkost bei sich, das er zwischendurch verzehrte, vorrangig zur Speichelbildung, die er für ausgesprochen wichtig hielt. Bei Besuchen der Verwandtschaft, die er auch schon mal gerne uneingeladen ankündigte, oder auch im Auto hatte er stets eine Decke über den Beinen, um seinen Körper warm zu halten. So war einer seiner Leitsprüche: „Wer seinen Leib warm hält, der hält keine taube Nuss warm.“[2] Regelmäßig verfasste Hubbertz Leserbriefe an die hiesigen Zeitungen, in denen er seine Sorgen über die politische Entwicklung, aber auch schon über Umweltfragen äußerte. Er verfasste sie in so hoher Anzahl, dass leider sicher nicht immer alle abgedruckt wurden.[3]


Im Sonderheft der WZ zum Stadtfest 1982 findet man eine Anzeige des Blumenfachgeschäftes Irene Janssen. Beworben werden "Moderne Floristik zu allen Gelegenheiten, Trockenblumenarrangements und Geschenkartikel."

Heute verkauft in dem Haus, das übrigens vor vielen Jahren bis auf die Front neu gebaut wurde, die Fa. Herda Wohnaccessoires.


Einträge in alten Adressbüchern

1898

  • Hubbertz, Anton, Metzger u. Colonialwaarenhdlg.
  • Pülgartz, Wilh., Stationsgeh.

1937

  • Hubbertz, Anton, Kolonialw-Groß- u. Kleinhdlg, Kaffeerösterei
  • Hubbertz, Karl, Kaufmann

1953

  • Hubbertz Anton o. H. G., Lebensmittel Einzel- und Großhandlg. Kaffeerösterei Weine und Spirituosen, F. 651
  • Hubbertz, Karl, Kaufmann, F. 651
  • Waddey, Josefine, o. B.

1959

  • Hubbertz, Anton oHG, Lebensm. Groß­ u. Einzelh., F. 651
  • Hubbertz, Karl, Kaufmann
  • Niehoff, Ingeb., Hausgeh.
  • Waddey, Josefine, Hausfrau

Das Haus in der Denkmalliste: http://www.limburg-bernd.de/Viersen/DenkKem/Nr.%20181.htm



Quellen:

  1. 1,0 1,1 Kaiser, Hans, Kindheit am Kuhtor, Aus der Erinnerung von Carl Hubbertz, in: Heimatbuch des Kreises Viersen, Kleve, 2001, S. 159-170
  2. Der Spruch ist eine volkstümliche Lebensweisheit über die Selbstfürsorge. Er besagt, dass man sich zuerst um seine eigene Gesundheit und sein eigenes Wohlbefinden kümmern muss. Eine "taube Nuss" steht im übertragenen Sinne für etwas Wertloses oder jemanden, der keine Kraft hat. In der Praxis bedeutet das: Nur wer auf sich selbst achtet und seine Kräfte (Wärme) bewahrt, bleibt nützlich und leistungsfähig. Wer sich vernachlässigt ("auskühlt"), wird selbst zur "tauben Nuss" – also kraftlos oder nutzlos für sich und andere. (KI Google)
  3. aus Erinnerungen des Autors an seinen "Onkel Carl", dem Bruder des angeheirateten Onkel Peter Hubbertz