Georgsbrunnen

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Am Buttermarkt steht der Georgs­brunnen (Bild­hauer E. Albrecht, Berlin-Steglitz) der - ein­geweiht im Juli 1912 - zum Gedächtnis der Vete­ranen und gefal­lenen Söhne der Stadt (1864, 1866 und 1870/71) von etwa 25 Vereinen als Sankt Georg-Ge­dächtnis­brunnen gestiftet wurde.

Viele schöne Bilder findet man auf einer extra Seite auf min-kempe.de und auf der zugehörigen Bildseite ebenda.


Jakob Hermes schreibt in seinem Bildband von 1976 über die Einweihung des Georgbrunnens:

Der Marktplatz konnte die Menschen kaum fassen, als am 7. Juli 1912 zur Erinnerung an die in den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 gefallenen Söhne der Stadt und der Gemeinde Sehmalbroich der Sankt-Georgs-Gedächtnisbrunnen eingeweiht wurde. Nach einem Festzug durch die Stadt hatten etwa 25 Vereine der Stadt und benachbarter Gemeinden mit wehenden Fahnen und klingendem Spiel im weiten Rund um das Denkmal Aufstellung genommen. Reden, Gesang- und Musikvorträge gaben der Veranstaltung den patriotischen Glanz, wozu eine begeisterte Bürgerschaft den stimmungsvollen Rahmen gab.


Siebzig Jahre nach der Eröffnung schrieb Hans-Josef Birker in der Rheinischen Post[1] folgenden schönen Artikel:

Wie der Georgsbrunnen sprichwörtlich wurde - Vor siebzig Jahren weihten die Kempener das Denkmal am Markt ein

Selten, ganz selten nur, geschieht sie noch, diese Geste der Glücksbeschwörung – jjemand nimmt ein paar Münzen und wirft sie ins Brunnenbecken, wo sie vom Boden metallisch und wasserverschleiert emporschimmern. Früher, so ist‘s zu vernehmen, müssen die Menschen häufiger mal Hartgeld auf dem Buttermarkt versenkt haben, um das Schicksal günstiger zu stimmen. Die Zeiten sind nüchtern geworden, der Heilige Georg hoch oben auf dem Obelisk über dem pausenlosen Geplätscher hat schon spendablere Tage gesehen, seit er feierlich enthüllt wurde – in diesem Sommer vor 70 Jahren. Wie alle baulichen Erbstücke der Vergangenheit, so hat auch dieser Kempener Brunnen .. im Zentrum der Altstadt seine Geschichte. Und Anekdoten, die sich an dieser Geschichte entlangranken. Zu Ehren der heimischen Gefallenen und Veteranen der Kriege von 1864, 1866 und 1870 wurde der Georgsbrunnen 1912 errichtet. Nicht da, wo er heute steht, sondern dichter an den Häusern der östlichen Marktseite, nur wenige Meter vom Textílgeschäft Klefisch, vom einstigen Gasthof „Zum Deutschen Haus" entfernt. Bauliche Veränderungen haben das Wasser-Denkmal Jahrzehnte später weiter westlich verschlagen, mehr ins eigentliche Markt-Rechteck hinein.

Obwohl in der religiösen Figur des Drachentöters gewiß ein Symbol der Wehrhaftigkeit über der Erinnerungsstätte thront, ist der Georgsbrunnen doch kein Denkmal militanter Gesinnung. Im Gegenteil schon weil sich die Kempener damals für die Plastik eines Kirchenmannes entschieden, nicht für ein strammes Soldatenbildnis oder einen germanischen Recken. Und als das Werk vor 70 Jahren eingeweiht wurde, war mancher enttäuscht. Schon Tage vor dem Festakt umgab eine mächtige Plane den Brunnen und seine Figur – die Kempener hatten sie noch nicht zu Gesicht bekommen. Der Heilige Georg war Staatsgeheimnis, Stadtgeheimnis. Dementsprechend üppig loderten die Vermutungen. Ais der Tag der Enthüllung gekommen war, spielten zackige Musiker, sangen Kempener Gymnasiasten. Und dann schritt Bürgermeister Christian Plum zur aufdeckenden Tat, zog er mit Hilfe von Honoratioren die Plane hernieder. Stille. Raunen. Plötzlich durchbrach ein Zwischenruf das Schweigen der Masse: „Wat ene Püemel!”

Platt war‘s, und etwa so zu übersetzen: Wie mickrig der geraten ist! Das kleine Figürchen des Drachentöters stimmte in der Vorstellung mancher Bürger nicht gerade mit dem Bild des Kriegshelden überein, war für die große Sache zu ärmlich, eben zu „püemelig” dimensioniert. „Wat ene Püemel" – dieser Ruf machte die Runde, wurde zum lokalen Sprichwort, wo immer etwas allzu bescheidenes Format bekam.


  1. Zeitungsausschnitt leider ohne Datum; der Artikel müsste aber etwa im September 1982 erschienen sein.