Engerstraße 1

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Blick auf Haus Engerstraße 1, Modehaus Sander, 2014
Anzeige Leopold Wefers Niederrheinisches Tageblatt, Weihnachtsanzeiger 10.12.1927
Blick auf Haus Engerstraße 1, Textilgeschäft von Leopold Wefers, 1930
Quelle: Jakob Hermes[1]
Quelle: Jakob Hermes[1]
Engerstraße 1, Fa. Wefers


Viele Jahrzehnte Stammsitz der Familie Leopold Wefers, der hier eine Weißwarenhandlung eröffnete. Er entstammte der Druckerfamilie Wefers, der Jakob Hermes in "Das alte Kempen"[2] zwei Seiten gewidmet hat:

"Der Begründer der Dynastie Wefers im Druckgewerbe des vergangenen Jahrhunderts war Anton Heinrich Wefers, geboren im Jahre 1807 zu Kempen. Seine Vorfahren kamen aus Breyell und wurden im 18. Jahrhundert in Kempen seßhaft. Väterlicherseits war der Beruf des Schieferdeckers bei Wefers Ahnen vorherrschend, und von der mütterlichen Seite her war dem Schneiderhandwerk größte Vorliebe entgegengebracht worden. Anton aber entschied sich für einen neuen Beruf und wurde Lithograph. Berufliches Können und Zielstrebigkeit setzten ihn Ende der dreißiger Jahre in die Lage, auf der Hülser Straße in Kempen die Stein- und Buchdruckerei Anton Heinrich Wefers zu gründen. Seinen Tatendrang sah er durch die begrenzten Räumlichkeiten bald gehemmt. Deshalb kaufte er ein Grundstück auf der Burgstraße (heute Wissink) und richtete dort 1843 einen modernen und größeren graphischen Betrieb ein, der bis 1907 im Familienbesitz blieb. Er bildete das wirtschaftliche Fundament für seine Familie, die er mit Maria Katharina Funger aus Kempen 1831 gegründet hatte. Aus dieser Ehe gingen fünf Söhne und eine Tochter hervor. Die Tochter blieb unverheiratet, weil sie an Stelle der 1871 verstorbenen Mutter den großen elterlichen Haushalt weiterführte. Alle Söhne wurden wie der Vater Stein- und Buchdrucker und haben es mit dem Kapital dieses praktischen Rüstzeugs zu Erfolgen gebracht.

Anton Wefers befaßte sich zunächst mit der Erledigung von Druckaufträgen aller Art, soweit sie in seinem Betrieb ausgeführt werden konnten. 1849/50 druckte und verlegte er das Intelligenzblatt, 1856 das Wochenblatt; es folgten die im Beitrage von Otto Röttges näher beschriebenen Organe. Als Sechzigjähriger traute er sich wohl nicht mehr den nötigen Schwung zu und übertrug die Schriftleitung des „Volksfreund“ seinem Sohn Eduard (1840 bis 1879). Er selbst beschränkte seine Arbeit auf den Druck und die Expedition der Zeitung. Sie hatte den größten Leserkreis im ganzen Kreisgebiet und muß die Substanz des Unternehmens bedeutend gefestigt haben. Diesen Schluß lassen die Neugründungen zu, welche außer dem früh verstorbenen Eduard, der rechten Hand des Vaters, den vier anderen Söhnen gelangen.

Vater Anton starb im Jahre 1878 in Kempen. Ihm folgte im Tode ein Jahr später sein Sohn Eduard. Gemeinsam übernahmen 1880 Leopold (1845 bis 1906) und Ferdinand (1856 bis 1925) das väterliche Erbe zu gleichen Anteilen. Die Schriftleitung besorgte Ferdinand bis zum Jahre 1903. Kurz vor Leopolds Tod 1906 wurde Ferdinand alleiniger Inhaber. Leopold war als Inhaber eines Weißwarengeschäftes 1895 bis 1903 nicht mehr im väterlichen Betrieb tätig gewesen, doch übernahm er neben seiner Tätigkeit als Textilkaufmann noch die Schriftleitung des Volksfreunds von 1904 bis 1906. 

Ferdinand hatte 1888 mit seinem Geschäftsfreund F. Audiger in Krefeld eine chromolithographische Kunstanstalt gegründet. Diese Firma wurde 15 Jahre später nach Kempen, Siegfriedstraße, veregt und dürfte Ferdinands ganze Arbeitskraft in Anspruch genommen haben. Sicherlich hat er den elterlichen Betrieb 1907 an Hermann Wissink verkauft, weil ihm die Zeit zu seiner persönlichen Fortführung fehlte.

Kurz nach dem Verkauf hat der Volksfreund sein Erscheinen eingestellt. Ferdinands Kunstanstalt erlebte ihre Blütezeit vor dem Ersten Weltkrieg; sie beschäftigte bis zu hundert Arbeitskräften. Nach 1919 war das Unternehmen durch das Aufkommen des Offsetdruckverfahrens starken Konjunkturschwankungen unter- worfen, die im Jahre 1928 zur Schließung der Firma führten. Ferdinand selbst hat das Ende nicht mehr erlebt, weil er drei Jahre vorher gestorben war.

Leopold hatte fünf Jahre vor der brüderlichen Teilung des elterlichen Erbes (1880) von der Firma Nikolaus Jansen Wwe. Druck und Verlag das „Kempener Kreisblatt“ erworben. Damit war die zweite große Zeitung in Familienbesitz gekommen. Den Posten des Schriftleiters versah er selbst. Mit dem Eintritt in das elterliche Unternehmen trat Leopold die Eigentumsrechte am Kempener Kreisblatt an die Witwe des verstorbenen Bruders Eduard ab, besorgte aber noch die Schriftleitung bis März 1885, als seine Schwägerin in E. Müller einen geeigneten Nachfolger gefunden hatte, der die Redaktion bis zum Ende des Kreisblattes 1930 innehatte. Nach Umstellung des Betriebes auf den laufenden Drucksachenbedarf ist die Druckerei heute noch zum Teil im Familienbesitz von E. Wefers Wwe.

Zwei Söhne von Anton hatten gleich nach dem Flüggewerden ihrem Geburtsort den Rücken gekehrt und auswärts ihr Glück versucht. Wilhelm, der unternehmungsfreudigste (1831 bis 1907), gründete 1854 eine lithographische Anstalt in Krefeld auf der Kronprinzenstraße und hat dem Unternehmen Weltruf verschafft. In späteren Jahren nahm er seinen früheren Angestellten Ernst Schlinkmann als Teilhaber auf, nachdem dieser seine Tochter geheiratet hatte. Von dem Zeitpunkt ab hieß die Firma Wefers & Schlinkmann. Im letzten Krieg wurde sie durch Bomben zerstört und das Grundstück nach der Währungsreform von den Erben verkauft. Die wiederaufgebauten Räume beherbergten in den letzten Jahren verschiedene Industrieunternehmen. Heute will es ein merkwürdiger Zufall, daß der Käufer der A. Wefers'schen Druckerei aus Kempen vor einiger Zeit in die Fabrikräume eingezogen ist. Für seinen Sohn Wilhelm hatte der weitschauende Vater einen Filialbetrieb in St. Petersburg eingerichtet, der mit Kriegsbeginn 1914 an die Russen verlorenging und restlos zerstört wurde. Ein Jahr zuvor war dieser Betrieb noch vergrößert und modernisiert worden und galt als die bedeutendste graphische Anlage im Zarenreich. Auch war er fortschrittlicher aufgebaut als jeder andere graphische Betrieb in Deutschland. Wilhelm Wefers jr. zog sich nach dem schweren Verlust nach Karden an der Mosel ins Privatleben zurück und ist dort 1935 gestorben.

Max gründete eine Zeitung und Druckerei in Süchteln, verstarb aber wie sein Bruder Eduard in den besten Mannesjahren. Würdiger Repräsentant der Familientradition ist in unserer Zeit der Kaufmann und Ratsherr Eduard Wefers von der Engerstraße, ein Sohn von Leopold. Trotz seiner 76 Lenze verrät auch er immer noch den Schwung und Elan, der einst die Druckereien seiner Voreltern allen Schwierigkeiten zum Trotz gedeihen ließ. (Am 10. Juni 1969 ist Eduard im Alter von 83 Jahren in Kempen gestorben.)" (Zitatende)


Von 1945 bis 1969 war Eduard Wefers Vorsitzender des Kempener St.-Martin-Komitees.


Weiter führt Hermes detailliert auf:

Die Nachkommen des Anton Heinrich Wefers

Anton Heinrich Wefers, 1807 (1878), getraut mit Maria Katharina Funger, 1809 (1871)

1. Wilhelm Wefers, 1831 (1907), getraut mit Sophie Pferdmenges Kinder:

1. Sophie Wefers, getraut mit Ernst Schlinkmann

2. Emma Wefers, getraut mit N. Dinemann

3. Auguste Wefers

4. Wilhelm Wefers, 1859 (1935), verheiratet (N.N.)

2. Elisabeth Wefers, 1837 (1916)

3. Eduard Wefers 1840 (1879), getraut mit Maria Opfergelt, 1843 (1922)

Kinder:

1. Anton Wefers, 1876 (1947), getraut mit Maria Dornhoeffer, 1883 (1952)

2. Elisabeth Wefers, 1878 (?), getraut mit Josef Flink, 1875 (1950)

4. Max Wefers, 1842 (1881), getraut mit Clara Lindlar, 1849 (1925)

Kinder:

1. Margarete Wefers, 1872 (1933), getraut mit Friedrich Taube, 1862 (1926)

2. Elisabeth Wefers, 1873 (1929), getraut mit Konrad Busch, 1875 (1941)

3. Max Wefers, 1876 (1961), getraut mit Emilie Rahmer, 1879 (?)

4. Maria Wefers, 1878 (?), getraut mit Johann Pöhler, 1877 (1946)

5. Hulda Wefers, 1880 (1934), getraut mit Adolf Heuser, 1882 (1939)

5. Leopold Wefers, 1845 (1906), getraut mit Hulda Mähler, 1849 (1922)

Kinder:

1. Elisabeth Wefers, 1879 (1945), getraut mit Peter Hüskes, 1872 (1944)

2. Emmy Wefers, 1881 (1960)

3. Maria Wefers, 1883 (1926), getraut mit Josef Gieben, 1878 (1922)

4. Josefine Wefers, 1885 (1975), getraut mit Paul Müller, 1881 (1957)

5. Eduard Wefers, 1886(1969), getraut mit Maria Straeten, 1895 (1945)

6. Franz Wefers, 1891 (1913)

6. Ferdinand Wefers, 1856 (1925), getraut mit Mechtilde Beckers, 1865 (1916)

Kinder:

1. Gerhard Wefers, 1888 (?), getraut mit Josefine Etwein, 1903 (?)

2. Magdalene Wefers, 1889 (1948), getraut mit Hermann Krükken, 1887 (?)

3. Cornelia Wefers, 1891 (?), getraut mit Walter Lingenberg, 1887 (1930)

4. Gertrud Wefers, 1893 (1961), getraut mit Ernest Nauen, 1893 (?)

5. Huberta Wefers, 1895 (?), getraut mit Charles Saunier, 1888 (1960)"


Mitteilung von Christian Wefers, dem Sohn von Paul Wefers und Enkel von Eduard, vom 14.3.2021 auf die Frage nach den Verwandtschaftsverhältnissen in neuerer Zeit:

Das mit den Familienverhältnissen kann ich aber schnell klären:

Gisela Gall war die ältere Schwester meines Vaters, und hat die 3 Jungs der Familie (Franz, Paul und Heinrich) groß gezogen, nachdem die Mutter (eine geborene "Straeten") früh verstorben ist.

Mein Vater hat dann meine Mutter geheiratet (Annelore Schenk), gebürtig von der Wiesenstr.. Meine Mutter war die Schwester der Brüder Benno und Walter (Lehrer). Walter und seine Frau Maria - beide Lehrer - waren ein bekanntes Lehrerehepaar in Kempen, und haben sich u.a. das Jugend-Zeltlager in Bensersiel gegründet und fast 50 Jahre lang begleitet.

Maria war also die Schwägerin des Bruders von Gisela Gall (geb. Wefers).


Etwa seit 1983, also inzwischen schon seit 43 Jahren, haben die Eheleute Sander hier ein Geschäft für Herren-Oberbekleidung, und sie denken nicht ans Aufhören..

Erst 2021 wurde das Haus verkauft und ist nicht mehr im Eigentum der Familie Wefers.



Adressbuch Kempen 1898:

  • Laemers Heinrich, Lehrer, Engerstr. 1
  • Röber Ernst, Pfarrer, Engerstr. 1
  • Wefers Leop., Woll- u. Weißwhdl., Engerstr. 1

1937:

  • Wefers Eduard, Cie & Co., Kurz-, Weiß-, Wollw., Herrenmoden, Engerstr. 1
  • Wingen Josef, Autohdlg., Reparaturwerkst., Engerstr. 1 (Werkstatt: Vorsterstr. 54)

1959

  • Kothes, Gertrud, Haushält.
  • Wefers, Eduard & Co., Textilw., F. 343
  • Wefers, Emma, Hausfrau


Haus Engerstraße 1 in der Denkmalliste




Quellen:

  1. 1,0 1,1 Hermes, Jakob, Das alte Kempen, S. 164
  2. Hermes, Jakob, Das alte Kempen, Krefeld, 1982, S. 163f.